Philosophie

Die musicalbuehne als Verbindungselement

Eine große Familie ist es geworden, was sich da anfangs als bunt gewürfeltes Völkchen bei der musicalbuehne eingefunden hat – und verwirklicht damit auch die soziale Idee, die hinter den Projekten der musicalbuehne steckt: Hier findet sich ein wahrer Schmelztiegel verschiedenster Charaktere, Hintergründe, Nationalitäten und Altersgruppen. Kinder und Jugendliche finden im Musical eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Sie kommen, wie man so schön sagt, „von der Straße“. Sie werden motiviert und gefördert, ein Talent wie Gesang und Schauspielerei oder das Spielen eines Instrumentes auszubauen und im Zusammenspiel mit anderen, Gleichgesinnten, einzusetzen. Vor allem in der Altersgruppe der Jugendlichen zeigt sich, dass die häufig anzutreffende ideelle Trennung zwischen den Schularten aufgehoben ist. Wie selbstverständlich lässt sich ein Gymnasiast von einem Hauptschüler die richtige Handhabe des Mikrofons erklären. Und plötzlich fühlt sich der Hauptschüler nicht mehr minderwertig gegenüber dem angeblich „Klügeren“. Mitbürger mit Migrationshintergrund finden bei der musicalbuehne ebenso ein Betätigungsfeld wie solche mit Behinderungen. Bei der Produktion „Die Piratenkönigin“ war es sogar möglich, eine gehörlose junge Frau als Musicaldarstellerin mit einzubinden, deren sehnlichster Wunsch es schon von klein auf war, bei einer Bühnenproduktion mitzuwirken und die hier ihren Traum in Erfüllung gehen sah. Dies forderte von allen Beteiligten natürlich eine gewisse Flexibilität im Umgang untereinander. Aber wie gut ein derartiges Miteinander funktioniert, sah man nicht zuletzt daran, dass die Darsteller sich im Backstagebereich in Gebärdensprache übten, während sie auf ihren Einsatz warteten. Auch Erwachsene mit leichten geistigen Behinderungen konnten wir problemlos einbinden. Da nicht wenige unserer Mitwirkenden in sozialen Berufen, z. T. in der Arbeit mit Behinderten, tätig sind, herrscht in der musicalbuehne ein Klima, in dem es keine Außenseiter gibt, sondern sich jeder wichtig und angenommen fühlt. Und während Sohn, Tochter oder Enkel auf der Bühne proben, sitzen die Eltern und zum Teil Großeltern beim Schneidern von Kostümen oder zimmern und malen an der Kulisse. Die musicalbuehne ist ein echtes Familienunternehmen!

Die musicalbuehne als Lernstätte für’s Leben

Gerade ihre bereits beschriebene Wirkung als Schmelztiegel ist es, die die musicalbuehne zur außerordentlichen Lernstätte für’s Leben macht. Da sieht man Schüler unterschiedlicher Jahrgangsstufen, die sich im Backstage-Bereich bei den Prüfungsvorbereitungen helfen, während sie auf ihren Auftritt warten. Oder einen 5.-Klässler, der einen Rentner in die Welt der PSP einweist. Vor allem das Zusammentreffen unterschiedlicher Generationen wird von den Mitwirkenden besonders geschätzt. Und nicht selten durfte ein „älteres Semester“ schon von einem Jugendlichen hören: „So eine Oma hätte ich auch gerne!“ Interessant ist es auch zu erleben, dass sich immer wieder Teenager in der Pubertät älteren Ensemblemitgliedern bezüglich ihrer häuslichen Probleme anvertrauen und diese um Rat im Umgang mit den Eltern oder schulischen Dingen fragen. Oft ist es eben leichter von einem mehr oder weniger fremden Erwachsenen Tipps und Ratschläge anzunehmen, als von den eigenen Eltern. Hier wird „ganz nebenbei“ unschätzbare Erziehungsarbeit geleistet und das Verständnis zwischen den Generationen auf nachhaltige Weise gefördert. Darüber hinaus sind die Mitwirkenden aller Altersstufen gefordert, ihre eigenen Schwächen anzugehen, indem sie von den Stärken der anderen profitieren und gleichzeitig mit dem, was sie gut können, anderen behilflich sind. Jeder Beteiligte hat seine individuelle Aufgabe, bei der sie oder er im Vordergrund steht, muss aber auch lernen, sich für das Wohl des großen Ganzen zurückzunehmen. So berichten z.B. in der Vergangenheit des Öfteren Mitwirkende oder auch deren Eltern, dass ein Schüler nach seiner Bühnenpremiere plötzlich keine Angst mehr vor Prüfungen hat, ein anderer viel seltener krank ist, weil er ja gebraucht wird usw. Die musicalbuehne erfüllt hier sozusagen einen unerwarteten psychologischen Auftrag.

Die musicalbuehne als Sprungbrett in den späteren Beruf

Das Ensemble und Orchester der musicalbuehne besteht in erster Linie nicht aus Profis – wenn sich auch hier und da ein Mitwirkender findet, der Musik studiert hat. Ein wichtiges Ziel der musicalbuehne ist jedoch die Förderung von Talenten – verborgenen wie bereits erkannten. Junge Menschen haben die Möglichkeit, sich in ihrem Wunschberuf auszuprobieren und ihn mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten kennen zu lernen. Manch eine Bewerbung für eine der großen Musicalschulen des Landes wurde für frühere Mitwirkende der musicalbuehne von Erfolg gekrönt, andere studieren an einer Musikhochschule Gesang oder Instrumentalmusik, nachdem sie in der musicalbuehne ihre Liebe zum Musiktheater entdeckt haben. So wurde diese Einrichtung bereits zum Sprungbrett für junge, talentierte Menschen – und wird dies hoffentlich auch in Zukunft bleiben können.

Die musicalbuehne als Spielstätte für Familienunterhaltung

Seit ihrer ersten Produktion ist die musicalbuehne bestrebt, anspruchsvolle Unterhaltung für die ganze Familie zu bieten. Beschwingte Musik, witzige Dialoge, romantische Szenen und große Gefühle beflügeln während der Vorstellungen die Fantasie von Erwachsenen wie Kindern gleichermaßen. Die Zuschauer sollen an einem Musicalabend unterhalten, aber auch hier und da zum Nachdenken gebracht werden. Da in allen Produktionen Kinder ab dem Schulalter mitspielen, achtet die musicalbuehne streng darauf, dass der gebotene Stoff sowohl für Kinder geeignet ist als auch für Erwachsene ansprechend und anspruchsvoll ist.

Die finanzielle Philosophie der musicalbuehne

Die musicalbuehne baut bei der Realisierung ihrer Musicalprojekte auf ein in dieser Branche ungewöhnliches Konzept: Mitwirkende wie auch das Produktionsteam verzichten auf feste Gagen, der eventuelle Gewinn der Produktion wird unter allen Beteiligten nach einem prozentualen Schlüssel aufgeteilt. Die musicalbuehne wird seit 2009 von der Stadt Nürnberg gefördert und in kleinem Rahmen auch von einigen Mittelstandsbetrieben. Nur durch diese Unterstützungen ist die Existenz der musicalbuehne möglich. Alle Beteiligten verfolgen ein gemeinsames Ziel – die erfolgreiche Umsetzung des Musicalstoffes – und wissen von vorneherein, dass möglicherweise kein Cent für den Einzelnen herausspringt. Diese Tatsache schweißt eng zusammen – und führt dazu, dass die musicalbuehne frei von internen Intrigen und Bühnenneid bleibt. Denn alle wissen: nur mit Hilfe vieler selbstloser Hände lässt sich ein solch gewaltiges Projekt wie die musicalbuehne in rein privatem Engagement verwirklichen.